Unterstützer

In vielen Unternehmen hierzulande ist man überzeugt: Working Out Loud ist die Schlüsselqualifikation für verteilte Arbeit im digitalen Netzwerk. Hier und dort ist die Disziplin bereits tägliche Routine. Einige Beispiele:
Dr. Carsten Rose, ThyssenKrupp Steel Europe AG,
Katharina Perschke, Robert Bosch GmbH.


Dr. Carsten Rose


Dr. Carsten Rose
ThyssenKrupp Steel Europe AG

Carsten, Danke für Dein Engagement. Was machst Du eigentlich so?
Ich bin in der Stahlsparte des ThyssenKrupp-Konzerns tätig und mein Schwerpunkt ist seit etwa 15 Jahren das Thema Supply Chain Management. Daneben trommle ich seit gut zwei Jahren für ein Social Intranet bzw. ein Enterprise Social Network und so langsam stellen sich auch erste Erfolge ein …

Inwiefern hilft Dir dabei WOL?
Das kann ich an einem einfachen Beispiel zeigen: In dem SCM-Projekt hatte ich ein Wiki etabliert, dessen erfolgreichste Komponente ein Logbuch war, in dem ich immer zeitnah jegliche Veränderungen an einem der beteiligten Softwaremodule dokumentiert habe. So waren alle direkt oder indirekt Betroffenen jederzeit in der Lage, sich selbst auf dem Laufenden zu halten.

Wenn jemand mit WOL zum ersten Mal in Berührung kommt: Wie erklärst Du in einem Satz, worum es geht?
„Working Out Loud“ heißt, die eigene Arbeit öffentlicher zu machen, über Fortschritte, Schwierigkeiten und im besten Fall auch Fehler zu berichten und darüber mit anderen Kollegen in den Dialog zu kommen, so daß schließlich alle Seiten von diesem Austausch profitieren. Und wenn ich einen zweiten Satz nachschieben darf: Dieses Prinzip lebt natürlich von Netzwerkeffekten – je mehr Beteiligte, desto größer der Nutzen für jeden Einzelnen, für Teams und auch für die gesamte Organisation.

Klingt ja wunderbar. Aber wo hängt’s, warum arbeitet dann nicht einfach jeder so?
Das ist aus meiner Sicht ziemlich trivial: Wir sind schlicht nicht gewohnt, so zu arbeiten, weil wir es nicht gelernt und eingeübt haben. Mal ganz abgesehen davon, daß i.d.R. trotz aller anderslautenden Beteuerungen („Wir sind einen Team!“) immer noch Einzelleistungen und lokale Optimierungen belohnt werden. Die Angst vor dem Verlust von Informationsvorsprung, Deutungshoheit, Wissen (i.S.v. Unique Selling Point und Employability) usw. usf. ist auch nicht zu vernachlässigen.

Zum Schluss: Was rätst Du jemandem, der sofort loslegen will?
Mein Rat ist „Sei mutig und finde Gleichgesinnte“. Beginne mit kleinen Schritten, wie Sie z.B. Simon Terry vorgeschlagen hat: Beschreibe morgens, an was Du arbeitest, antworte mittags auf Kommentare bzw. kommentiere auch selbst und berichte oder like abends, was erfolgreich gelaufen ist. Zur Motivation gibt‘ s von ihm dazu auch ein kurzes Video, ein paar Folien und eine Grafik.


Katharina Perschke


Katharina Perschke
Robert Bosch GmbH

Katharina, Danke für Dein Engagement. Was machst Du eigentlich so?
Ich bin bei Bosch im Zentralprojekt „Enabling Enterprise 2.0 @ Bosch“ zuständig für das Thema „Corporate Community Management“.

Inwiefern hilft Dir dabei WOL?
Das ist die Basis meiner täglichen Arbeit! Das Thema E2.0 und Corporate Community Management sind für Bosch neu, erst seit 2013 ist die interne Collaboration Plattform Bosch Connect (basierend auf IBM Connections) für alle Wissensarbeiter verfügbar. Um das Thema zu promoten, Awareness zu schaffen, die Leute auf die Trainings aufmerksam zu machen und aktiv vorzuleben, wie es ist als Rollenmodell die Social Business Prinzipien zu leben, bediene ich mich den Mechanismen von WOL. Das bedeutet für mich: öffentlich arbeiten, d.h. alles relevante öffentlich zur Verfügung zu stellen und mein Netzwerk mit einzubeziehen (über Co-Creation, Informationsverteilung über Blogs, Foren und Status Updates, Aufrufe, aktives Netzweren etc.). Was ich mache, wo ich bin, was mich interessiert und was ich mit anderen teilen möchte ist somit öffentlich auf dem System verfügbar und erzeugt Resonanz – die Basis meiner täglichen Arbeit 😉

Wenn jemand mit WOL zum ersten Mal in Berührung kommt: Wie erklärst Du in einem Satz, worum es geht?
Transparentes Arbeiten, um durch die Resonanz die eigene Arbeit zu verbessern und dabei nicht nur effizienter zu werden, sondern vor allem mehr Spass zu haben.

Klingt ja wunderbar. Aber wo hängt’s, warum arbeitet dann nicht einfach jeder so?
Weil wir das nicht gewohnt sind und es vielen Leuten Angst macht. Transparenz hat nicht nur Vorteile (gutes Feedback, Likes, Shares, Follower, Vergrößerung Netzwerk, Hilfe und Hinweise) sondern auch Schattenseiten (kritisches oder gar schlechtes Feedback, Fehler werden sichtbar, die Resonanz verursacht Aufwände durch das Beantworten). Viele sind sich auch nicht sicher, was sie teilen und verbreiten sollen, da wir zu viel bewerten, was relevant ist und was nicht. Es gilt, sich davon los zu machen und auf das eigene Netwzerk zu vertrauen, das hoffentlich gelernt hat, zu filtern. Zudem glaube ich, dass unsere bisherige Arbeitskultur eher Wert auf „ich schütze mein Wissen und meine Inhalte“ gelegt hat als auf offene und transparente Zusammenarbeit. Na und last but not least: die Methode ist einfach neu, da sie erst mit solch öffentlichen Plattformen möglich wird. Woher sollen die Leute das wissen?

Zum Schluss: Was rätst Du jemandem, der sofort loslegen will?
Mit kleinen Schritten anfangen. Sich an bestehendem beteiligen und aktiv werden, das ist einfacher als selbst sofort zum Blogger zu werden. Ausprobieren, was beim Netzwerk ankommt und was nicht und darauf hören, d.h. die Resonanz beobachten. Wenn es gut funktioniert andere aktiv mit einbeziehen und auch offline einige der Mechanismen ausprobieren, Stand Up Meetings z.B.