Unterstützer

In vielen Unternehmen hierzulande ist man überzeugt: Working Out Loud ist die Schlüsselqualifikation für verteilte Arbeit im digitalen Netzwerk. Hier und dort ist die Disziplin bereits tägliche Routine. Einige Beispiele:
Ilona Libal, BMW AG,
Dr. Carsten Rose, ThyssenKrupp Steel Europe AG,
Katharina Krentz, Robert Bosch GmbH.


Ilona Libal


Ilona Libal
BMW AG

Ilona, Danke für Dein Engagement. Was machst Du eigentlich so?
Ich bin Diplominformatikerin und seit über 25 Jahren IT Projektleiter. Viele Jahre war ich bei einem Rückversicherer, dann habe ich meinen Mann für drei Jahre ins arabische Ausland begleitet. Seit 2013 sind wir wieder zurück und da mir in Arabien die deutschen Autos in vielen Facetten immer wieder begegnet sind, bin ich nun bei einem Autohersteller gelandet. Und ja, nun bringe ich hier spannende Projekte mit voran. Derzeit arbeite ich an einem Softwareprojekt zur Bestimmung des CO2 und Kraftstoffverbrauchs von Fahrzeugen. Hier verantworte ich die korrekte und zeitnahe Bereitstellung der Fahrzeugdaten, die für die Berechnung notwendig sind.

Inwiefern hilft Dir dabei WOL?
In meiner täglichen Arbeit geht es immer mehr in Richtung agile Projektabwicklung: weg von Spezialisten, die vielfach Engpässe darstellen – hin zu interdisziplinären Teams, die einen für unseren Kunden relevanten Prozess von Anfang bis Ende gestalten können. Das agile Vorgehen ist gekennzeichnet durch Vertrauen, pro-aktiven Wissensaustausch, Offenheit und gegenseitige Wertschätzung. Hierarchische Anleitungen treten ganz in den Hintergrund. All das braucht allerdings Änderungen im Denkverhalten der Mitarbeiter.

Mich begeistert die Idee ein Arbeitsumfeld zu schaffen, wo geachtet wird, was uns wichtig ist, wo unsere Stärken gefördert werden und wo wir das tun dürfen, was wir am besten können? Und ich bin überzeugt genau das brauchen wir für den Aufbruch in das digitale Zeitalter. Deshalb lebe ich in meinem Umfeld die neuen Verhaltensweisen vor. Das schaffe ich mit meiner geistigen Einstellung, die ich aus der Working Out Loud Methodik schöpfe. In meinem WOL Circle habe ich gelernt, wie ich mich in unserem Sozialen Business Netzwerk bewege, wie ich über Hierarchien hinweg mich vernetze und hilfreiche Informationen zu meiner täglichen Arbeit teilen kann und im Gegenzug sehr viel Unterstützung zurück bekomme. Plötzlich bin ich mit Kollegen in ganz unterschiedlichen Bereichen vernetzt, wie z. B. der Internen Kommunikation, der Revision und sogar mit einer Kollegin im Werk. Normalerweise hätte ich nie mit denen zu tun gehabt. Ich erlebe viele Kollegen, die hoch motiviert und mit neuen Ideen aus einer WOL Circle Stunde kommen, das spornt mich an, weiter zu machen.

Wenn jemand mit WOL zum ersten Mal in Berührung kommt: Wie erklärst Du in einem Satz, worum es geht?
Gemeinsam mit vier Mitstreitern praktizierst Du eine neue Denkweise: Ihr nehmt Euch jeder ein individuelles Ziel vor; Ihr trefft Euch 12 Wochen lang je eine Stunde; arbeitet nach einem ausgeklügelten Leitfaden, den sogenannten Circle Guides und am Ende habt Ihr Euer jeweiliges Ziel erreicht, seid offener, vernetzter und damit besser vorbereitet für die neuen Anforderungen, welche auf Euch durch die Digitalisierung zu kommen.

Klingt ja wunderbar. Aber wo hängt’s, warum arbeitet dann nicht einfach jeder so?
Unsere klassischen Unternehmensstrukturen in großen Unternehmen geben uns meistens gar nicht die Möglichkeiten und den Handlungsspielraum. Momentan ist es ja immer noch so, dass wir zwar die neuen Methoden, wie Design Thinking oder agiles Projektmanagement schon leben könnten, aber althergebrachte Hierarchie-Denke und Führungsstil stehen da vielfach im Wege. Und außerdem haben wir auslastungsbedingt kaum Luft, um uns auf die schnelle Umsetzung solch neuer Methoden zu konzentrieren. Denn wir wollen auf keinen Fall, dass unsere Arbeit darunter leidet und wir unseren jetzigen Aufgaben nicht mehr gerecht werden. Man muss schon für so ein Thema brennen, um neben den vielen Aufgaben, die wir heute im Büro zu erfüllen haben, noch so nebenbei einem Thema wie Working Out Loud nachzugehen. Ich bin sehr zuversichtlich…

Zum Schluss: Was rätst Du jemandem, der sofort loslegen will?

Such Dir Gleichgesinnte, schau wo es im Unternehmen schon Initiativen dazu gibt. Vernetze Dich in Eurem Social Business Netzwerk. Nutze Twitter, um Mutmacher und Unterstützer kennen zu lernen. Fange mit ganz kleinen Schritten an. Es war Ende 2015, als wir die Working Out Loud Gruppe in unserem sozialen Netzwerk gegründet haben und wir waren nur zu dritt. Heute folgen uns an die Tausend. Wir sind eine Graswurzelbewegung, die was bewegt und wir sehen auf allen Ebenen immer mehr Unterstützung. Also, einfach fokussieren auf Gleichgesinnte und „just do it“.


Dr. Carsten Rose


Dr. Carsten Rose
ThyssenKrupp Steel Europe AG

Carsten, Danke für Dein Engagement. Was machst Du eigentlich so?
Ich bin in der Stahlsparte des ThyssenKrupp-Konzerns tätig und mein Schwerpunkt ist seit etwa 15 Jahren das Thema Supply Chain Management. Daneben trommle ich seit gut zwei Jahren für ein Social Intranet bzw. ein Enterprise Social Network und so langsam stellen sich auch erste Erfolge ein …

Inwiefern hilft Dir dabei WOL?
Das kann ich an einem einfachen Beispiel zeigen: In dem SCM-Projekt hatte ich ein Wiki etabliert, dessen erfolgreichste Komponente ein Logbuch war, in dem ich immer zeitnah jegliche Veränderungen an einem der beteiligten Softwaremodule dokumentiert habe. So waren alle direkt oder indirekt Betroffenen jederzeit in der Lage, sich selbst auf dem Laufenden zu halten.

Wenn jemand mit WOL zum ersten Mal in Berührung kommt: Wie erklärst Du in einem Satz, worum es geht?
„Working Out Loud“ heißt, die eigene Arbeit öffentlicher zu machen, über Fortschritte, Schwierigkeiten und im besten Fall auch Fehler zu berichten und darüber mit anderen Kollegen in den Dialog zu kommen, so daß schließlich alle Seiten von diesem Austausch profitieren. Und wenn ich einen zweiten Satz nachschieben darf: Dieses Prinzip lebt natürlich von Netzwerkeffekten – je mehr Beteiligte, desto größer der Nutzen für jeden Einzelnen, für Teams und auch für die gesamte Organisation.

Klingt ja wunderbar. Aber wo hängt’s, warum arbeitet dann nicht einfach jeder so?
Das ist aus meiner Sicht ziemlich trivial: Wir sind schlicht nicht gewohnt, so zu arbeiten, weil wir es nicht gelernt und eingeübt haben. Mal ganz abgesehen davon, daß i.d.R. trotz aller anderslautenden Beteuerungen („Wir sind einen Team!“) immer noch Einzelleistungen und lokale Optimierungen belohnt werden. Die Angst vor dem Verlust von Informationsvorsprung, Deutungshoheit, Wissen (i.S.v. Unique Selling Point und Employability) usw. usf. ist auch nicht zu vernachlässigen.

Zum Schluss: Was rätst Du jemandem, der sofort loslegen will?
Mein Rat ist „Sei mutig und finde Gleichgesinnte“. Beginne mit kleinen Schritten, wie Sie z.B. Simon Terry vorgeschlagen hat: Beschreibe morgens, an was Du arbeitest, antworte mittags auf Kommentare bzw. kommentiere auch selbst und berichte oder like abends, was erfolgreich gelaufen ist. Zur Motivation gibt‘ s von ihm dazu auch ein kurzes Video, ein paar Folien und eine Grafik.


Katharina Perschke


Katharina Krentz
Robert Bosch GmbH

Katharina, Danke für Dein Engagement. Was machst Du eigentlich so?
Ich bin bei Bosch im Zentralprojekt „Enabling Enterprise 2.0 @ Bosch“ zuständig für das Thema „Corporate Community Management“.

Inwiefern hilft Dir dabei WOL?
Das ist die Basis meiner täglichen Arbeit! Das Thema E2.0 und Corporate Community Management sind für Bosch neu, erst seit 2013 ist die interne Collaboration Plattform Bosch Connect (basierend auf IBM Connections) für alle Wissensarbeiter verfügbar. Um das Thema zu promoten, Awareness zu schaffen, die Leute auf die Trainings aufmerksam zu machen und aktiv vorzuleben, wie es ist als Rollenmodell die Social Business Prinzipien zu leben, bediene ich mich den Mechanismen von WOL. Das bedeutet für mich: öffentlich arbeiten, d.h. alles relevante öffentlich zur Verfügung zu stellen und mein Netzwerk mit einzubeziehen (über Co-Creation, Informationsverteilung über Blogs, Foren und Status Updates, Aufrufe, aktives Netzweren etc.). Was ich mache, wo ich bin, was mich interessiert und was ich mit anderen teilen möchte ist somit öffentlich auf dem System verfügbar und erzeugt Resonanz – die Basis meiner täglichen Arbeit 😉

Wenn jemand mit WOL zum ersten Mal in Berührung kommt: Wie erklärst Du in einem Satz, worum es geht?
Transparentes Arbeiten, um durch die Resonanz die eigene Arbeit zu verbessern und dabei nicht nur effizienter zu werden, sondern vor allem mehr Spass zu haben.

Klingt ja wunderbar. Aber wo hängt’s, warum arbeitet dann nicht einfach jeder so?
Weil wir das nicht gewohnt sind und es vielen Leuten Angst macht. Transparenz hat nicht nur Vorteile (gutes Feedback, Likes, Shares, Follower, Vergrößerung Netzwerk, Hilfe und Hinweise) sondern auch Schattenseiten (kritisches oder gar schlechtes Feedback, Fehler werden sichtbar, die Resonanz verursacht Aufwände durch das Beantworten). Viele sind sich auch nicht sicher, was sie teilen und verbreiten sollen, da wir zu viel bewerten, was relevant ist und was nicht. Es gilt, sich davon los zu machen und auf das eigene Netwzerk zu vertrauen, das hoffentlich gelernt hat, zu filtern. Zudem glaube ich, dass unsere bisherige Arbeitskultur eher Wert auf „ich schütze mein Wissen und meine Inhalte“ gelegt hat als auf offene und transparente Zusammenarbeit. Na und last but not least: die Methode ist einfach neu, da sie erst mit solch öffentlichen Plattformen möglich wird. Woher sollen die Leute das wissen?

Zum Schluss: Was rätst Du jemandem, der sofort loslegen will?
Mit kleinen Schritten anfangen. Sich an bestehendem beteiligen und aktiv werden, das ist einfacher als selbst sofort zum Blogger zu werden. Ausprobieren, was beim Netzwerk ankommt und was nicht und darauf hören, d.h. die Resonanz beobachten. Wenn es gut funktioniert andere aktiv mit einbeziehen und auch offline einige der Mechanismen ausprobieren, Stand Up Meetings z.B.